Kulturschock, Leben in Italien & Italienisch kostenlos

Als Selbstständige habe ich nun in Italien seit kurzem eine italienische Steuerberaterin. Über die Beantragung meiner italienischen Mehrwertsteuernummer hatte ich schon berichtet. Zur Verteidigung sei angemerkt, meine Vergleiche bewegen sich in Extremen, schließlich bin ich von einer deutschen Großstadt (Berlin) in die italienische Provinz gezogen. Direkte Vergleiche und Beschwerden sind da wohl nicht ganz fair. Dass Deutsche im Ausland im einen oder anderen Bereich Anpassungsprobleme haben, hat Simone am Beispiel Gesundheit und Holland erzählt. Immerhin ein nordeuropäisches Land, frei von südeuropäischer Lässigkeit. In Italien habe ich ohne Buch- und Steuerhilfe keine Chance. Die mir bekannten Instrumente zur Orientierung funktionieren nur bedingt. Woher hätte ich wissen können, dass auf jede Originalrechnung über 77,74 Euro  eine marca da bollo im Wert von zwei Euro gehört? Diese werden in den tabacchi, den Tabakwaren- und Lottoläden erworben.

Sollte dieser kleine Aufkleber mit seinem bescheidenen Wert der Auslöser gewesen sein? Sozusagen der Prager Fenstersturz meiner neu erwachten Abneigung für das (vielleicht) schönste Land der Welt? Wie lange wird diese Phase dauern? Dreißig Tage, dreißig Monate? Was kommt danach? Ist Kulturschock irreversibel? Werde ich mich danach an zu enges Auffahren, Zwangsduzen und merkwürdige Fragen für immer gewöhnt haben?

Wenn es sich um Kulturschock handelt, befinde ich mich jetzt in der Phase der Krise. Zunächst einmal bin ich nicht besorgt, jede Krise geht vorbei. Mich beschäftigt eher, ob ich mich wirklich an Ineffizienz, Kaffeetrinken im Stehen und den Geruch von Kaminen im Winter (Wo bleibt da der Klimaschutz?) gewöhnen werde? Will ich das überhaupt? Wenn ich im Alter von 15 Jahren Rassismus, Homophobie und Kreationismus im Biologieunterricht in Texas gezwungenermaßen tolerieren lernte, weil ich Teil der fremden Kultur sein wollte, so geschah dies um einer einzigartigen Erfahrung willen. Heute ist das sicher anders. Ich habe mich entschieden, was gut ist, ich erkenne, wenn etwas gut funktioniert und schätze Achtung und Respekt vor dem Individuum, besonders von staatlicher Seite. Steuernzahlen ist keine Einbahnstraße, nirgends. Gut, Vorsicht bei Selbstdiagnosen. Ich werde weiter beobachten – und berichten.

Ob Papstsouvenirs, Mülltrennung, Zahnarztbesuche oder das Weh der italienisches Wirtschaft mit Unglücken wie jüngst in Prato – die Journalistin Katherina Kort kommentiert das Leben in Italien kurz und pointiert. Ihr Blog kortissimo gehört fast täglich zu meiner Lektüre, wohl auch deshalb, weil ich immer öfter eine Pause brauche von einem rein touristischen Blick auf Italien mit dolce vita und dolce far niente, der mit der Realität wenig zu tun hat.

Mein aktueller Tipp für das Italienischlernen ist wieder ein selfie 😉 Meine kostenlosen Tipps für das Italienischlernen.

Ich freue mich wie immer über Feedback, jegliche azurblaue Kommentare, Geschichten und Fragen.

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  1. Hallo Stefanie,

    es ist schön und gleichzeitig interessant, zu lesen, wie es anderen er-/gegangen ist, während ihrer Eingewöhnungszeit in „Bella Italia“.
    Ich hatte das Glück/Pech im August in Italien anzukommen und meine Arbeit zu beginnen und sah mich dadurch gleich der Breitseite der kulturellen Unterschiede konfrontiert – allen voran „chiuso per ferie“.

    Jetzt, nach 6 Monaten kann ich mit einem gewissen Abstand und einem kleinen Lächeln auf den Sommer zurück blicken – einfach wars nicht, dafür ist es mittlerweile umso schöner, nun richtig angekommen zu sein!

    • Liebe Barbara, vielen Dank für Deinen Kommentar – und Glückwunsch, dass Du Dich angekommen fühlst! Vielleicht war das Eintreffen im August eine Hilfe und hat Dich gleich gut auf die kulturellen Unterschiede eingestimmt – so warst Du vorbereitet! 😀
      Ich habe manchmal heute noch das Gefühl, hier in Italien ganz heimisch zu werden, wird mir schwerfallen. (Zu viele Dinge verstehe ich nicht!) Allerdings bin ich jedes Jahr Ende August, wenn ich aus Deutschland nach Hause – nach Italien – zurückkehre, überrascht, wie sehr ich mich hier zu Hause fühle ;D Ankommen ist ein individuelles Gefühl, dass wohl Schwankungen unterworfen ist 😀 Zu Hause ist wohl einfach ein Ort in uns selbst.

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