Rom – Wie überlebe ich einen Besuch im Sommer

Menschen aller Gewichtsklassen, leicht bis unbekleidet, in langen Schlangen, meine Nase unter Schweißausbrüchen, mein Kopf mit Sonnenstich – eigentlich spricht alles gegen meinen Besuch in Rom, jetzt, im Juli. Warum nur fahre ich im Juli nach Rom? Egal. Es ist mein erster Besuch und ich freue mich einfach riesig auf die ewige Stadt. Lässt sich mit guter Vorbereitung ein sommerlicher Besuch in Rom trotz des Touristenansturms genießen? Ich nehme die Herausforderung an! Aber wie überlebe ich einen Besuch in Rom im Juli und habe Spaß?

Sommerliche Hitze auf Höchststand

Rom liegt auf sieben Hügeln, zwischen den Sabiner Bergen und den Albaner Bergen, quasi in einem Becken. Hier besteht regelmäßig die Gefahr eines Hitzestaus, da sich das Becken im Hochsommer aufheizt, weil die Luft darin steht. Im Juli erreichen die Temperaturen in Rom Höhepunkte – das Monatsmittel klettert auf stattliche 30,4 °C. Dazu verspricht Roms mediterranes Klima Sommertrockenheit. Auch die Sonnenstunden erreichen mit 11 Stunden im Juli ihren Höhepunkt. Ich muss mich auf zwei Faktoren einstellen: Hitze und Trockenheit.

Blick auf das sommerliche Rom

Roms Trinkwasserbrunnen

Die Römer ließen sich für die Wasserversorgung ihrer Stadt früh etwas einfallen. Die Äquadukte in Rom brachten schon 312 v. Chr. Quellwasser aus bis zu 100 km Entfernung in die Stadt. Zur größten Ausdehnung des Wasserversorgungsnetzes in der Kaiserzeit wurde Rom über elf Äquadukte mit einer Gesamtlänge von 400 km mit Wasser beliefert. Für jeden der eine Million Einwohner Roms standen Tausend Liter Wasser zur Verfügung, so dass auch die riesigen Thermen versorgt werden konnten. Interessant: Die Äquadukte transportierten das Wasser zum höchsten Punkt der Stadt, in einen Verteiler (castellum), ähnlich einem Wasserturm. Dieser verteilte das Wasser über drei Versorgungsarme: den ersten für öffentliche Trinkwasserbrunnen, den zweiten für die Versorgung der öffentlichen Bäder und den dritten für Privathäuser. Dabei lag der erste Versorgungsarm für die öffentlichen Brunnen am niedrigsten und erhielt somit bei Wasserknappheit Vorrang.

Auch heute werden Bewohner und Besucher Roms unterwegs mit Wasser versorgt – überall in der Stadt stehen Trinkwasserbrunnen (nasoni) zur Verfügung, die kostenlos klares Nass spenden.

Touristenandrang und lange Schlangen

Hunderttausende Touristen besuchen Petersdom, Kolosseum und Vatikanische Museen jährlich. Die Freude auf großartige Sehenswürdigkeiten und jahrtausendalte Kulturstätten schwindet mit Sicherheit beim Anblick endloser, schwitzender Menschenschlangen für Eintrittskarten in der glühenden Sommersonne. Bei meinem ersten Besuch in Rom möchte ich jedoch auf die größten Sehenswürdigkeiten nicht verzichten: Petersdom, Sixtinische Kapelle, Vatikanische Museen, Kolosseum und Forum Romanum – wie die vielen anderen Touristen muss ich da unbedingt hin! Meine wenige Zeit möchte ich ganz der Besichtigung widmen und in die Geschichte der Stadt eintauchen. Ich habe einfach keine Lust, stundenlang in der Schlange zu stehen!

Vatikanische Museen und Sixtinische Kapelle

Bis zu 20.000 Besucher täglich – die Sixtinische Kapelle mit der Schöpfungsgeschichte Michelangelos steht auch auf meiner Liste der Sehenswürdigkeiten. 50.000 Objekte in 14 Museen – die Vatikanischen Museen sind eine der größten Kunstsammlungen der Welt. Auch wenn ich auf die Besichtigung der päpstlichen Sänften verzichte, bleiben genug Fundstücke und Statuen, Gemälde, Fresken, um mich für mehr als einen Tag zu beschäftigen.

Vatikanische Museen Innenhof
Vatikanische Museen Innenhof

Für die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle habe ich einen Online Voucher für ein Zeitfenster erworben. Für eine Vorverkaufsgebühr von 4 Euro (Eintritt 16 Euro, ermäßigt Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 8 Euro) kann ich mir einen Voucher ausdrucken, den ich dann an einer Extrakasse in meine Eintrittskarte umtausche. Erinnert mich ein wenig an Berlinale-Tickets, aber ohne Zeit- und Auswahlstress. Bin gespannt, wie viele Besucher doch noch an den Kassen anstehen. An den Extrakassen für die Online-Voucher gab es überhaupt keine Schlangen! Fazit: Vorkauf lohnt sich definitiv.

Fresko "Schule von Athen" des Raffael, Stanza della Segnatura
Fresko „Schule von Athen“ des Raffael, Stanza della Segnatura

Kolosseum und Forum Romanum

Kolosseum – größtes im antiken Rom (72 bis 80 v. Chr.) errichtetes Amphitheater, erbaut aus der Beute des jüdischen Krieges, Schauplatz grausamer Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen, nachgestellter Schlachten für bis zu 50.000 Zuschauer – logistische und architektonische Meisterleistung. Heute ist das Kolosseum Touristenmagnet und bröckelnder Zankapfel. Kapernduft bis San Lorenzo? Schlau ist, wer dem Verfall Positives abgewinnen kann, denke ich. Was zur Zeit seiner Errichtung bereits ein Bauwerk der Superlative war, muss heute dem Ansturm von fünf Millionen Touristen jährlich, dazu dem Verkehr (Verschmutzung), Eis und Schnee und dem zerstörerischen Zahn der Zeit standhalten. Nachdem sich 2011 ein privater Sponsor für die dringend notwendige Restaurierung gefunden hatte, verzögert sich der Start der Arbeiten derzeit aufgrund eines Gerichtsverfahrens. Werbung für eine Modemarke am Kolosseum als Gegenleistung für Reinigung und Restauration? Anders gefragt: Gibt es überhaupt Alternativen zu privatem Engagement für Italiens Kunstschätze?

Kolosseum Rom Innenansicht
Kolosseum Rom Innenansicht

Zwischen den Hügeln Kapitol, Palatin und Esquilin gelegen war das Forum Romanum einst der Mittelpunkt des politischen und kulturellen Lebens in Rom – so wie heute wieder, als Mittelpunkt einer Besichtigung Roms. Einst ein Sumpf, wurde die Senke nach ihrer Trockenlegung mit zwei Tempeln bebaut und entwickelte sich schnell zum Zentrum der Aufmerksamkeit ihrer Bewohner. Das Comitium, nördlicher gelegen, war als Senatssitz und Rednertribüne Zentrum der römischen Politik. Jeder neue Kaiser gab dem Forum seine eigene Ausrichtung. So gestaltete Augustus den Platz unter Verwendung von reichlich Marmor prunkvoll um. In der späten Republik zu klein geworden geriet das Forum Romanum mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches in Vergessenheit. In der Renaissance wurde es als Baustofflager wiederentdeckt: seine Steine wurden für den Bau des Petersdoms verwendet. Mit den ersten Ausgrabungen im 18. Jahrhundert und dem Interesse an der Antike erschien das Forum Romanum wieder im Bewusstsein.

Seit November 2012 kann ich über das Ticket Portal von Coopculture (engl. und ital.) das Kolosseum Eintrittskarten online buchen. Für 1,50 € Mehrpreis (zusätzlich zum Eintrittspreis von 12,00 €) spare ich mir das Schlangestehen und erwerbe eine Eintrittskarte für Colosseum, Palatinum und Forum Romanum über mittels iPhone-App, E-Mail-Code oder als zu Hause ausdruckbares Ticket. Die Eintrittskarte ist für zwei Tage gültig und ermöglicht mir den direkten Eintritt ohne mich an den Kassen anzustellen.

Forum Romanum
Forum Romanum

Bestes Eis in Rom

Eis und Italien, Eis und eine Sommernacht gehören einfach zusammen. Für das beste Eis in Rom gibt es mehr als eine Antwort. Es gibt vermutlich nicht die Wahrheit, nicht das beste Eis in Rom. Wenn ich mein Kolosseum, meine Sixtinische Kapelle verlasse, möchte ich einfach wissen, wo ich so schnell wie möglich ein gelato bekomme. Bloggerin und Rom-Expertin Amanda Ruggeri hat die Antworten: Ciampini (Piazza San Lorenzo in Lucina 29) – Zwischen Spanischer Treppe und Pantheon, Gelateria dei Gracchi (Via dei Gracchi 272) – zehn Minuten vom Petersdom oder Fatamorgania (Piazza degli Zingari 5) – zehn Minuten zu Fuß vom Forum Romanum. So fühle ich mich gut gerüstet für einen Sommertag im antiken Rom 😉

In den Koffer – Rom im Sommer

Wer wie ich empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung reagiert, wird sich in dieser Liste wiedererkennen:

  • Hauchdünne, luftig-leichte Hosen (Knie bedeckt) für den Besuch des Petersdoms
  • Wasserflasche zum Befüllen an den Brunnen (nasoni)
  • Sonnenschutz: weißes Cap für den Sonnenschutz, hellen, kleinen (Regen-)Schirm für den Sonnenschutz auf dem Forum Romanum, Sonnenbrille, Sonnencreme (mind. SFP 30)
  • Smartphone (Acqua-a-Roma-App)

Nützliche Links für die Reise nach Rom im Sommer

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Kategorien Latium Reisen Städtereise

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Stefanie lebt mit italienischer Familie am Lago Maggiore, im Norden des Piemont. Einen Ort entdecken heißt alle Sinne nutzen – sehen, hören, zuhören, berühren, schmecken. Die Sprache sprechen kann Wunder bewirken oder ein Tanz zu lokaler Musik!

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