Leben & bloggen in Italien

Vorfreude, La Scala und Tandemlernen leicht gemacht

Der Advent ist die Zeit der Vorfreude. Eifrige Vorbereitungen, Vorstellungen des kommenden Genusses, Lesen und Recherchieren, um dem Gewünschten schon vorher nah zu sein. So geht es mir. Mein sehnlich erwartetes Ereignis findet vor Weihnachten statt, am 18. Dezember. Loge 13, Platz 5, Beginn 20.00 Uhr zur vollen Stunde, einst wurden in diesem Haus die Uhren nach Beginn der Vorstellung gestellt – La Scala. Die Mailänder Scala kennen alle, auch die, die sich aus Oper nichts machen. Ihr Mythos gründet auf einer Mischung aus zur-richtigen-Zeit-am-richtigen-Ort und guten Entscheidungen. Gebaut zur Zeit als die Oper sich als Kunstgattung zu etablieren begann, konzentrierte man sich an der Scala seit der Aufführung von Rossinis Zauberflöte 1816 nur noch auf Opernaufführungen (keine Stierkämpfe und Zirkusvorstellungen mehr) und brachte eine Uraufführung nach der anderen auf die Bühne. Die Uraufführungen der frühen Verdiopern brachte internationale Aufmerksamkeit (Liste der Uraufführungen). Von nun an engagierte man an der Scala nur noch die allerbesten Sänger und Sängerinnen. Qualität, die besten Sänger ihrer Zeit wie Caruso und Schaljapin und die Werktreue des Dirigenten Arturo Toscanini vollendeten den Mythos der Scala. Und woher kam die Leidenschaft der Italiener für die Oper, besonders für Verdi? Verdis Freiheitschor „Va pensiero“ geschrieben zur Zeit der italienischen Einheitsbewegung, dem Risorgimento, erklang zuerst in Mailand und trug diese Bewegung in ihre Herzen.

Die Saison an der Scala eröffnet in jedem Jahr am 7. Dezember, dem Tag des Ambrosius, Schutzheiliger der Stadt – 2013 mit „La Traviata“ von Guiseppe Verdi. Radikale Tempi, unsympathische Kostüme, ein fehlendes hohes C des Tenors Piotr Beczala, das wenig zimperliche Mailänder Publikum sparte nicht mit Pfiffen und Buhrufen. Kritik ließe sich wohl auch subtiler äußern, aber die Oper ist der Ort für Leidenschaften. Den Pfiffen stehen immerhin elf Minuten Applaus gegenüber. Noch fünf Tage Vorfreude!

Meine vorweihnachtliche Erzählung kommt von Petra Reski, die ihre Liebe zu handgeschriebenen Weihnachtskarten als schweren Ausbruch von Deutschtum beichtet. Sehr sympathisch und ansteckend, doch auf E-Mail-Weihnachtsgrüße zu verzichten. Selbstgewählte Traditionen sind die allerschönsten!

Dass ich auch ohne Sprachkurs oder Privatstunden nicht auf das Italienisch lernen verzichten muss, darüber habe ich gerade geschrieben. Tandemlernen ist praktisch, weil es kostenlos ist und weil ich selbst entscheide, worüber ich spreche. Von nun an ist die Vorbereitung für Tandemtreffen einfach, dank dem Projekt Seagull (‚Möwe‘ oder Smart Educational Autonomy through Guided Language Learning) meiner alten Alma Mater Greifswald! Seagull stellt neben nützlichen Tipps zum Tandemlernen Ideen und Material für zahlreiche Sprachen (einschließlich Italienisch) für Tandemtreffen zur Verfügung.

Nach einer Woche Italienpause voller Wurst, Weihnachtsmarkt und Nebel geht es für mich heute zurück nach Italien. Her mit dem azurblauem Himmel!

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2 Comments

  • Reply
    Friederike
    19. Dezember 2013 at 16:06

    Oha, unsymapthische Kostüme und das fehlende hohe c – das klingt ja vielversprechend. Wie wars denn dann tatsächlich? Oder haben Sie vor lauter Scala-ismus womöglich gar nicht richtig hingehört??? 😉

    • Reply
      Stefanie
      20. Dezember 2013 at 13:15

      Zum La Scala-Abend gibt es einen ausführlichen Artikel, gerade veröffentlicht! 🙂 Es war wunderbar, aber lesen Sie selbst 😉

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