Touristen. Sie tragen Socken in Sandalen, Bauchtaschen, Wasserflaschen und (wo sie nicht verboten sind) Selfiesticks. Sie sehen vor allem sich selbst, digitalen Frontkameras sei Dank. Sie sind gekommen, um nicht zu bleiben.
Touristen treten vor allem in Gruppen auf, als Familien mit hochgerüsteten Kinderwagen, in der Ferienzeit mit schulpflichtigen Teenagern auf Kleinbildschirme starrend. Mitgebrachte Nahrung nehmen sie vorzugsweise auf Treppen vor Monumenten in der Sonne sitzend zu sich. Über die Seehäfen rollen in den warmen Monaten des Jahres regelmäßig ganze Invasionstruppen zu Tausenden an. Sie folgen gottergeben ihrem Guide und kennen keine Eile.
Die Ursachen dieser Massenbewegungen sind nicht ganz klar. Ein erstes Aufkommen solcher Personenflüsse war im 18. Jahrhundert in Italien zu beobachten. Aus Norden kommend sickerten einzelne Grüppchen auf Kutschen über die Alpenpässe an die norditalienischen Seen ein, um nach Rom und Kampanien weiterzufahren. Auf ihrer Gran Tour dilettierten sie als Maler oder Schriftsteller. Geschickt den Vorwand charakterlicher Bildung nutzend ging es den Zwanzigjährigen zweifellos vorrangig um geschlechtliche Erfahrungen.
Heute fliehen die unruhigen Heimatvertriebenen vor der Langeweile und vor sich selbst. An ihren Zielorten bilden sie Warteschlagen und Blechkolonnen. Ob sie wissen, dass sie dabei das zerstören, was sie suchen, Idylle und Ablenkung? Auch wenn die eingeborene Bevölkerung sich nun wehrt, auf Demonstrationen wütet, mit Wasserpistolen schießt, sich in winzigen Booten mit Transparenten und Flüstertüten bewaffnet Ozeanriesen entgegenwirft, der Tourist wird gewinnen. Er ist einer von 1,4 Milliarden. Er bringt Wohlstand und er ist Teil einer Wirtschaftskraft. Er will ja nicht bleiben oder sich ansiedeln. Er liebt das Urlaubsgefühl und macht nur Fotos. Das kostet ihn heute nur noch ein Schnäppchen.

