Mit dem Fahrrad durch Italien

Das Fahrrad (bici, bicicletta) hat in Italien in den letzten Jahren einen echten Aufschwung erlebt – nicht nur als Sportgerät, sondern auch als Alltagsmittel und Reisegefährt. Radwege gibt es noch immer nicht flächendeckend, der Ausbau geht aber voran, besonders im Norden. Und mit dem E-Bike haben sich die Möglichkeiten nochmals erweitert: Strecken, die früher konditionell anspruchsvoll waren, lassen sich jetzt entspannt genießen.

Verkehrsregeln für Radfahrer in Italien

Nach Einbruch der Dämmerung ist eine reflektierende Warnweste Pflicht. Kinder bis 14 Jahre müssen einen Fahrradhelm tragen. Fahrradanhänger sind erlaubt, wenn Rad und Anhänger zusammen nicht länger als drei Meter sind (max. 50 kg, max. 75 cm breit, max. 1 m hoch mit Beladung). Das Fahren nebeneinander (affiancamento) ist auf ruhigen Straßen mit wenig Verkehr erlaubt, muss aber beim Herannahen von Fahrzeugen aufgegeben werden.

Klima und beste Reisezeit

Frühjahr und Herbst sind die besten Jahreszeiten für eine Radreise in Italien. Im Sommer kann es sehr heiß, in der Poebene schwül werden. Im Süden Italiens bringt der Scirocco, ein trocken-heißer Wind aus Nordafrika hohe Temperaturen bis über 40 °C. In den Bergen und am Lago Maggiore bleibt es erträglicher, aber auch dort steigen die Temperaturen. Der Sommer ist als Urlaubssaison die Hauptreisezeit. Sehenswürdigkeiten und Küsten sind dann sehr voll. Wer die Hauptsaison meiden möchte: die Monate Mai und September sind ideal. Es gibt weniger Verkehr, die Temperaturen sind noch weitgehend angenehm und das Licht ist schön.

Straßen und Fahrradwege

Der Norden Italiens ist stark zersiedelt und dicht befahren. Viele Menschen pendeln mit dem Auto zur Arbeit. Staus kommen während der Stoßzeiten häufig vor. Schöne Ausnahmen sind die Radwege entlang der Flüsse (Po, Ticino, Adda) und die ruhigen Hügellagen des Piemont. In der Poebene wird das Fahrrad auch als Alltagsverkehrsmittel genutzt, und entsprechend gibt es dort oft auch bessere Wege.

In Großstädten ist Radfahren möglich, aber meistens unbequem: Radwege fehlen weitgehend und der Verkehr ist nur wenig auf Fahrradfahrer eingestellt.

Radwegenetz in Italien: Bicitalia und EuroVelo

Das Herzstück des italienischen Fernradwegnetzes ist Bicitalia, ein Projekt der FIAB (Federazione Italiana Amici della Bicicletta), dem italienischen Pendant zum ADFC. Das Netz umfasst inzwischen 20 nationale Routen mit rund 20.000 Kilometern – ein Großteil davon noch auf Nebenstraßen. Eine Übersicht über alle Routen gibt es auf bicitalia.org.

Die bekannteste Route ist die Ciclopista del Sole (EuroVelo 7), die vom Brenner bis nach Sizilien führen soll. Der nördliche Teil – vom Brenner über Bozen und den Gardasee bis nach Bologna – ist weitgehend fertig und gut befahrbar. 2021 wurde der Abschnitt Verona–Bologna auf einer ehemaligen Bahntrasse eröffnet, 2024 der Mantova-Abschnitt in der Lombardei. Südlich von Florenz ist die Route noch lückenhaft.

Radregionen in Norditalien – meine Einschätzungen

Für Norditalien, wo ich zuhause bin, ein paar konkrete Eindrücke:

Lago Maggiore und Umgebung: Die Uferstraße ist schön, aber im Sommer stark befahren. Wer das Rad wirklich genießen will, weicht ins Hinterland aus – nach Verbano, ins Cannobina-Tal, über die Hügel des Piedmont. Mit dem E-Bike erschließt sich die Gegend nochmals ganz anders: Die Linea Cadorna, ein alter Militärweg auf rund 1.200 Metern über dem See, ist mit Motorunterstützung ein großartiges Erlebnis.

Poebene: Flach, wenig Verkehr auf den richtigen Nebenstraßen, gute Radwege entlang der Flüsse. Der Weg entlang des Po (Destra Po) ist ein Klassiker – wenig spektakulär, dafür entspannend und gut zugänglich für alle Fitnesslevel.

Piemont/Langhe: Die Hügellandschaft der Weinberge ist traumhaft, aber anspruchsvoll. Mit dem E-Bike ist sie auch für Genussradlerinnen und -radler geeignet.

Venetien/Trentino: Der Etschtal-Radweg von Bozen bis zum Gardasee ist einer der schönsten und bestausgebauten Radwege Italiens – flach, ausgeschildert, familientauglich.

Für weiterführende Routentipps und GPS-Tracks ist Komoot aktuell die nützlichste Ressource auf Deutsch.

Fahrradmitnahme im Zug

Die Regeln haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Hier der aktuelle Stand (2026):

Regionalzüge: In Zügen, die mit einem Fahrrad-Piktogramm gekennzeichnet sind, kann ein montiertes Fahrrad (auch E-Bike, max. 2 m Länge) gegen einen Aufpreis von 3,50 € (supplemento bici) mitgenommen werden. Der Aufpreis gilt für den Tag und kann auch im Zug gekauft werden. In allen Regionalzügen (auch ohne Piktogramm) ist ein Klapprad (zusammengeklappt, max. 120 × 80 × 45 cm) kostenlos erlaubt.

Intercity (IC): Seit Ende 2020 bieten ausgewählte IC-Züge einen speziellen Fahrradwagen (Wagen 3) mit sechs Stellplätzen und zwei E-Bike-Ladepunkten. Preis: 3,50 €. Eine Reservierung ist obligatorisch, am besten bucht man sie beim Ticketkauf online. NB: Der Fahrradwagen ist nicht auf allen IC-Verbindungen verfügbar. Bitte vorab auf trenitalia.com prüfen.

Hochgeschwindigkeitszüge (Frecciarossa, Frecciargento, Italo): Nur verpackte Fahrräder (in einer Hülle, max. 80 × 110 × 45 cm) oder zusammengeklappte Klappräder – kostenlos, aber ohne eigenen Stellplatz. Montierte Fahrräder sind nicht erlaubt.

Bus: Fahrradmitnahme nur nach Absprache und Verfügbarkeit.

Aktuelle und detaillierte Infos direkt bei Trenitalia: trenitalia.com – Bici al seguito

→ Alles zum Bahnfahren in Italien auf der Seite Mit der Bahn durch Italien.

Weiterführende Ressourcen

Letzte Aktualisierung: Mai 2026

6 Kommentare

  1. Wir lieben Fahrradurlaube in Italien. Hoffentlich werden wir diesen Sommer wie jedes Jahr an die Adria fahren können. Wahrscheinlich ist der Transport unter den aktuellen Umständen mit einem Bus oder Shuttle einfacher.

    • Hallo Julia, vielleicht nicht nachhaltiger, ab in Zeiten des Gebots von Distanz, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, scheint mir das Auto das Fortbewegungsmittel der Wahl. Oder doch gleich per Rad? Na, ich bin gespannt, wie und ob der Sommerurlaub stattfinden kann. Ich wünsche es uns allen.

  2. Hallo,
    will im Mai 2014 eine Radwallfahrt von Tettau (Bayern) nach Assisi machen. Erbitte dazu Infomationen wenn dies Ihnen möglich ist.

    Herzlichen Dank

    • Ich versuche es gern! Kenne hier in Verbania ein paar Leute, die an Ostern öfter nach Assisi mit dem Rad gefahren sind (aber von Verbania aus, mit anfangs anderer Route als Sie es werden). Werde spätenstens im März ein Interview zum Thema machen, dann gibt es noch ein paar mehr Tipps von Leuten, die nach Assisi geradelt sind! Hier ein Versuch (nur für Italien, über Ferrara, Bologna und nicht entlang der Adria – diese Möglichkeit gibt es aber auch):
      1. Eisacktal-Radweg: Brenner – Brixen – Bozen (96 km) Infos unter Eisacktal-Radweg
      2. Bozen – Trient Radweg Unterland – Bozen – Salurn – Trient
      3. Von Bozen / Trient nach Ferrara S. 6, von Ferrara nach Bologna, S. 22 Panoramaradweg, S. 6
      4. Bologna nach Florenz (Teil der Ciclopista del sole, nur teilweise Radwege)
      5. Florenz – Arezzo – Perugia – Assisi Ciclovia Conero-Argentario, Beispiel zur Anregung unter Radreise Florenz bis Assisi
      Übersichtskarte Bicitalia
      Fahrraddfreundliche Unterkünfte (Seite auf Deutsch)

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