Mit dem Auto durch Italien

Das Auto ist in Italien nach wie vor das flexibelste Verkehrsmittel, besonders außerhalb der großen Städte, wo Bus- und Zugverbindungen rar sind. Das Wichtigste vorab: seit Dezember 2024 gilt in Italien ein verschärfter Bußgeldkatalog, die Bußgelder für viele Vergehen wurden erheblich angehoben.

Wichtige Notrufnummern

  • 112 – Einheitliche europäische Notrufnummer; verbindet mit Polizei, Notarzt oder Feuerwehr
  • 113 – Polizei (Polizia di Stato)
  • 115 – Feuerwehr (vigili del fuoco)
  • 118 – Notarzt und Krankenwagen
  • 116 – Pannenhilfe ACI (Automobile Club d’Italia); aus dem Ausland: +39 02 66 16 51 16
  • 800 322 222 – ADAC-Pannenhilfe, kostenlos innerhalb Italiens (Monza-Zentrale), 24h

Dokumente und Pflichtausrüstung

Ein internationaler Führerschein ist nicht nötig. Mitzuführen sind: Führerschein (patente di guida), Fahrzeugschein (carta di circolazione), Ausweis oder Reisepass, Versicherungsnachweis.

Pflichtausrüstung im Fahrzeug: Warnweste (reflektierend, für alle Insassen – griffbereit im Innenraum, nicht im Kofferraum), Warndreieck, Verbandskasten. Wer Fahrräder am Heck transportiert, braucht außerdem eine rot-weiß gestreifte, reflektierende Warntafel.

Straßen und Geschwindigkeiten

In Italien gibt es vier Straßentypen: kleinere Landstraßen (strade comunali und strade provinciali), Staatsstraßen (strade statali), Schnellstraßen (superstrade) und Autobahnen (autostrade, grün ausgeschildert).

Das sind die Geschwindigkeitsgrenzen:

  • Innerorts: 50 km/h
  • Landstraße: 90 km/h
  • Schnellstraße: 110 km/h
  • Autobahn: 130 km/h
Autostrada - Bis 130 km/h
Auf der Autobahn A4 Mailand – Turin

Bei Regen, Schnee oder Nebel reduziert sich das Limit außerorts um 20 km/h – also 90 km/h statt 110 km/h auf der Schnellstraße, 110 km/h statt 130 km/h auf der Autobahn.

Neu seit 2025: Fahranfänger (unter drei Jahren Führerscheinbesitz) und Fahrer unter 21 Jahren dürfen auf Autobahnen maximal 100 km/h fahren. Blitzer müssen seit Juni 2025 mindestens einen Kilometer vorher angekündigt werden. Versteckte Radarmessungen sind nicht zulässig.

Auf Landstraßen außerorts ist mit Abblendlicht zu fahren, auch tagsüber.

Enge Kurven, schlechter Belag, Schlaglöcher, Steinschlag: kleine Bergstraßen in Norditalien erfordern volle Aufmerksamkeit, besonders vor unübersichtlichen Kurven.

Vor engen Kurven bitte hupen - Straße nach Macugnaga
Vor engen Kurven hupen – Straße nach Macugnaga, Anzascatal, Piemont

Verkehrsregeln – das Wichtigste

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 Promille. Für Fahranfänger (unter drei Jahren Führerscheinbesitz) und Fahrer unter 21 Jahren gilt mit 0,0 Promille ein absolutes Alkoholverbot. Die Strafen wurden mit dem neuen Codice erheblich verschärft:

  • 0,5–0,8 ‰: Bußgeld 573–2.170 €, Führerscheinentzug 3–6 Monate
  • 0,8–1,5 ‰: erhöhtes Bußgeld, mögliche Haftstrafe
  • über 1,5 ‰: bis zu 6.000 € und bis zu zwei Jahre Führerscheinentzug

Handynutzung: Seit 2025 wird beim ersten Verstoß ein Bußgeld zwischen 250 und 1.000 €, beim Wiederholungsfall bis zu 1.400 € fällig plus mindestens eine Woche Führerscheinentzug. Eine Freisprechanlage ist Pflicht.

Die Gurtpflicht gilt für alle Fahrzeuginsassen. Kinder unter zwölf Jahren sitzen auf dem Rücksitz, außer in einem genehmigten Kindersitz. Privates Abschleppen auf Autobahnen ist verboten.

Immer Vorsicht mit der Vorfahrt
Vorsicht mit der Vorfahrt

Die Vorfahrtsregeln entsprechen denen in Deutschland: Vorfahrt hat rechts vor links. Im Kreisverkehr wo keine Vorfahrtsschilder stehen gilt ebenfalls rechts vor links: Einfahrende haben Vorfahrt vor denen Fahrzeugen im Kreisverkehr. Das ist anders als in vielen anderen Ländern und überrascht immer wieder. Häufig stehen an der Einfahrt in den Kreisverkehr Vorfahrtsschilder. Dann haben die Fahrzeuge im Kreisverkehr Vorfahrt.

Maut

Nahezu alle italienischen Autobahnen sind mautpflichtig. Bezahlt wird nach gefahrener Strecke: durchschnittlich ca. 7 Cent pro Kilometer für einen Pkw. Man nimmt bei der Einfahrt ein Ticket und bezahlt bei der Ausfahrt – bar, per Kreditkarte oder mit einem elektronischen System.

Telepass: Das gängigste elektronische Mautsystem in Italien. Die Box kommuniziert automatisch mit den Mautstellen, man fährt durch eine eigene Spur ohne anzuhalten. Für Urlauber gibt es Telepass auch ohne Vertrag. Über Anbieter wie maut1.de lässt sich eine Box vor der Reise bestellen.

Seit Anfang 2024 wurden die klassischen Punto-Blu-Kassierschalter abgeschafft. Wer kein elektronisches System hat, zahlt per Kreditkarte oder bar an den verbleibenden Automaten.

Vorsicht beim Spurwechsel im Mautbereich: Wenden, Rückwärtsfahren und Spurwechsel an Mautstellen sowie Autobahn-Auf- und Abfahrten sind verboten und werden teuer geahndet.

ZTL – verkehrsbeschränkte Zonen

ZTL steht für Zona a Traffico Limitato – Straßen, in die nur Anwohner, Lieferanten und ausdrücklich Berechtigte hineinfahren dürfen. Verkehrsschilder oder Leuchtschilder weisen auf die ZTL hin. Die Einfahrt wird per Kamera überwacht, es gibt keine Schranken und keine sichtbaren Kontrollen. Das Schild steht oft direkt an der Einfahrt in eine ZTL und damit eventuell zu spät zum Bremsen, wenn man nicht aufpasst. Etwaige Bußgeldbescheide flattern Wochen oder Monate später per Post ins Haus, auch außerhalb Italiens.

ZTL gibt es in den meisten historischen Innenstädten: Florenz, Rom, Bologna, Turin, Bozen und vielen kleineren Orten. Die Zeiten variieren: oft ganztägig, manchmal nur zu bestimmten Stunden.

Mein Rat: Wer mit dem Auto in eine Stadt fährt, parkt außerhalb und geht zu Fuß oder nimmt den Bus. Wer im Hotel innerhalb einer ZTL übernachtet, sollte das Kennzeichen vorher vom Hotel registrieren lassen. Das ist in der Regel kostenlos und unkompliziert und sollte vor der Anreise und Einfahrt erledigt werden.

Parken

  • Weiße Bordsteine / weiße Markierungen: kostenfrei parken
  • Blaue Markierungen: gebührenpflichtig (Parkscheinautomat in der Nähe)
  • Gelbe Markierungen: reserviert für Busse, Taxis oder Berechtigte
  • Schwarz-gelbe Bordsteine: absolutes Parkverbot
  • Durchgehende Fahrbahnrandlinien: dürfen nur im Notfall überfahren werden

Bußgelder fürs Falschparken liegen je nach Verstoß zwischen 80 und 335 €.

Tanken

Automatensäulen mit Selbstbedienung (fai da te) haben rund um die Uhr (aperto 24 ore) geöffnet. Bezahlt wird mit Geldscheinen (besser gut erhaltene!) oder Kreditkarte. Tankstellen abseits der Autobahnen haben eventuell über Mittag lange geschlossen. Kleinere Tankstellen bieten Tankwartservice – hier muss man auch zum Bezahlen nicht aussteigen. Man wählt volltanken (Il pieno, per favore) oder nennt das Budget (Cinquanta Euro di senza piombo, per favore).

Polizei

Die Verkehrspolizisten (vigili) kümmern sich um den Straßenverkehr und die Geschäfte in Städten und Ortschaften. Die Polizei (polizia stradale) und die Carabinieri sind für Straßenverkehr und öffentliche Ordnung außerhalb von Ortschaften zuständig. Anders als die Polizei, die der Gemeinde unterstellt ist, gehören die Carabinieri zum Militär.

Verhalten bei Unfall

Unfälle möglichst bei der örtlichen Polizei melden – vor allem bei Karosserieschäden, da an der Grenze eine Schadensbestätigung verlangt werden kann. Die Versicherungsnummer eines italienischen Unfallgegners steht immer an der Windschutzscheibe: sofort notieren. Das europäische Unfallprotokoll (CAI – Constatazione Amichevole di Incidente) ausfüllen und von beiden Seiten unterschreiben lassen. Ansprüche aus Fahrzeughaftpflicht verjähren nach zwei Jahren ab Unfalldatum.

Autovermietung

Autovermietungen (autonoleggi) gibt es an allen Flughäfen und in größeren Städten. Früh von zuhause buchen spart Geld und ermöglicht einen Preisvergleich. Beim Mieten eines PKW vor Ort unbedingt auf die Versicherungsbedingungen und die Selbstbeteiligung im Schadensfall achten. Meist ist nur eine Basisversicherung inklusive. Eine Vollkaskoversicherung (assicurazione casco totale) ist sicher sinnvoll, wenn auch teurer.

Letzte Aktualisierung: Mai 2026

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