Bär M29 im Val Grande aufgewacht

Scheuer Einzelgänger: Der aus dem Trentino stammende Braunbär M29 lebt seit 2019 im Val Grande Nationalpark.

In den ersten Apriltagen 2026 ist Bär M29 im Val Grande aus dem Winterschlaf erwacht. Carabinieri des Nationalparks Val Grande entdeckten bei einer Erkundungstour im Gebiet des Monte Pedum auf 2.100 Metern Bärenspuren im Schnee. DNA-Analysen bestätigten die Identität des scheuen Sohlengängers: Es ist M29 – der einzige Braunbär im Nordwesten Italiens.

Bär M29: Aus dem Trentino in den Val Grande Nationalpark

Der Braunbär wurde erstmals 2019 im Ossolatal gesichtet. Das Kürzel M29 weist ihn als aus dem Trentino stammendes Männchen aus. Der 2013 geborene M29 ist seit 2014 auf Wanderschaft. Seine Wanderung führte ihn zunächst in die Provinzen Brescia und Sondrio (2016/2017) und dann in die Schweiz (Kantone Bern, Wallis).

Aus dem Wallis zog es M29 zurück nach Italien, wo er im Juni 2019 in Preglia, einem Ortsteil von Crevoladossola nördlich der Stadt Domodossola im Ossolatal gesichtet wurde. Sein Auftauchen in der nordwestitalienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola (VCO), zu der auch der Lago Maggiore gehört, initiierte den Beitritt der Region Piemont mit ihrer Provinz Verbano-Cusio-Ossola zum Bären-Aktionsplan PACOBACE, die Erstellung eines Managementplans sowie ein koninuierliches Monitoring durch die Forstpolizei (Carabinieri) des Nationalparks Val Grande. 

Die aus dem Monitoring gewonnenen Daten zeigen, dass M29 den Norden des Nationalparks Val Grande als Rückzugsgebiet bevorzugt. Seine Streifzüge durch die Region führten ihn jedoch schon auf Alpen im Vigezzotal (Malesco, Santa Maria Maggiore) oder ins untere Ossolatal bei Ornavasso.

Spuren, Risse, Bienenstöcke – was Bär M29 im Val Grande treibt

Nach seiner ersten Sichtung vom Juni 2019 hinterließ M29 im Frühling 2020 Spuren beim Honigraub an Bienenstöcken in Villadossola (Ortsteil Noga) und tauchte auf Fotos und Videos aus Fotofallen auf. Im Jahr darauf riss er zwei Schafe in Trontano, die sich anhand der typischen Muster von Rissen durch Bären auf M29 zurückführen ließen (Juni und September). Im Juni 2021 konnten die Carabinieri ihn sogar kurz beobachten. In den Jahren 2022 bis 2024 folgten Spuren im Schnee, einige Aufnahmen durch Fotofallen sowie Kratzspuren an Bäumen. Eines ist klar: Eine Begegnung mit dem scheuen M29 ist unwahrscheinlich.

Bärenbegegnung im Val Grande: Nacht im Zelt, Alpe Vald

In den frühen Morgenstunden des 9. August 2025 riefen deutsche Wanderer den Notruf 112. Die Sechsergruppe hatte im Gebiet Vald im Norden des Nationalpark Val Grande, ca. 1.300 Meter oberhalb von Santa Maria Maggiore, im Zelt übernachtet. Die Anwesenheit eines Tieres hatte sie in den frühen Morgenstunden geweckt. Auf den Notruf hin startete sofort ein Rettungshubschrauber der Feuerwehr in das Gebiet Vald, aus dem der Notruf gekommen war. Feuerwehrleute und Carabinieri seilten sich vom Hubschrauber ab, um die Wanderer zu befragen. Das Tier hatte sich inzwischen vom Zelt entfernt und die unerschrockenen Wanderer entschieden, ihre Tour im Val Grande fortzusetzen.

Zelten im Val Grande Nationalpark: Was Wanderer wissen müssen

Zelten ist im Val Grande Nationalpark offiziell nicht erlaubt. Im Val Grande Nationalpark stehen Hütten mit einfachem Holzfußboden für das Übernachten mit Isomatte und Schlafsack zur Verfügung. Sollte eine Hütte (ital. bivacco) bereits voll sein, wird in Hüttennähe das Aufschlagen eines Zeltes vom Abend bis in die Morgenstunden geduldet. Da die Hütte auf der Alpe Vald di Sopra im Jahr 2016 abgebrannt ist, war dort nur ein Biwakieren im Zelt möglich. In so einem Fall müssen sämtliche Abfälle und Essensreste sorgfältig unter Verschluss bleiben.

Bär M29 gesichtet? So verhältst du dich im Val Grande

Der Braunbär M29 im Val Grande ist ein scheuer Einzelgänger. Der Nordwesten des Nationalparks ist sein bevorzugtes Rückzugsgebiet. Eine Sichtung wäre sehr selten, eine Begegnung ist wenig wahrscheinlich. Bären verfügen über einen ausgezeichneten Geruchs- und Hörsinn und entfernen sich bei Wahrnehmung eines Menschen. Hunde sind im Nationalpark stets an der Leine zu führen. Sie können Wildtiere stören, aufspüren und zum Menschen leiten. 

Im unwahrscheinlichen Fall einer Sichtung genieße man den Anblick und nähere sich dem Bären auf keinen Fall. Es besteht keine Gefahr. Der scheue Einzelgänger M29 wird – wohl noch auf lange Zeit – der einzige Bär in der Region und in den westitalienischen Alpen bleiben. Eine ähnlich weite Wanderung von weiblichen Tieren aus dem Trentino haben Wissenschaftler bisher nicht beobachtet.

Hier geht es zu den Regeln für die friedliche Koexistenz mit Bären (Bear safety rules).

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