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Kulinarisch Piemont

Piemont – Im Land der Haselnüsse

Fossil ist sie seit 5 Millionen(!) Jahren bekannt. Gegessen wird sie schon seit Tausenden Jahren – die Haselnuss. Wer bei Haselnüssen nur an Eichhörnchen oder Süßes denkt, sei an ihren Vitamin- und Mineralstoffgehalt erinnert: jede Menge Kalzium, Kalium und Vitamin E – die reinste Nervennahrung. Kein Wunder, dass der Hasel allerlei wundersame und schützende Eigenschaften zugeschrieben werden – siehe das Märchen Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Zur Blüte der Haselnüsse am Ende des Winters habe ich die Heimat der Haselnüsse im piemontesischen Hügelland besucht.

Haselnusslehrpfad in Castellero

Haselnusslehrpfad in Castellero

Die Haselnuss – Joker einfallsreicher Piemontesen

Mit Haselgerten machten sich früher Wünschelrutengänger auf die Suche nach Wasser oder seltenen Metallen. Heute ist die Haselnuss selbst der Schatz – zumindest in Castellero, der (selbst ernannten) Hauptstadt der Haselnuss. Die Haselnuss steht für mich für die Findigkeit und den Einfallsreichtum der Piemontesen im Hügelland des Monferrato und der Langhe. Immer in harten Zeiten, wenn ein Luxusprodukt zum Engpass wurde, erfanden die Menschen hier einen neuen Kassenschlager. Einst hatten die Weinbauern der Alta Langa nach einer weiteren Mehltauplage auf die Nuss umgeschwenkt und waren dabei geblieben. Der Napoleon zugeschriebene Einfuhrstopp von Produkten aus den englischen Kolonien inspirierte die Turiner Süßwarenhersteller zur Kreation des Gianduja, der unschlagbaren Mischung aus Kakao und Haselnüssen. Deren Geschmack verfeinerte 1852 der Chocolatier Michele Prochet durch Rösten und Mahlen der Haselnüsse. Die Bilanz der Süßwarenhersteller hingegen verfeinert die „Runde Freundliche der Langhe“ (Tonda Gentile delle Langhe) genannte Haselnuss, angebaut im piemontesischen Hügelland Langhe.

Männlicher Blütenstand der Haselnuss

Männlicher Blütenstand der Haselnuss

Land der Haselnüsse

Wenn ein unerwarteter Frost am Schwarzen Meer die Haselnussernte dezimiert, müssen die Rezepte für Weihnachtsplätzchen in Deutschland schon mal umgeschrieben werden, weil gemahlene Haselnüsse in den Supermärkten plötzlich Mangelware sind. So geschehen im Winter 2014. Italien ist nach der Türkei der zweitgrößte Haselnussproduzent weltweit. Der Anbau konzentriert sich im Piemont auf die Provinzen Cuneo, Asti und Alessandria im Hügelland von Langhe, Roero und Monferrat. Hier wird die Haselnusssorte „Runde Freundliche Dreilappige“ (Tonda Gentile Trilobata) angebaut. Die Süßwarenhersteller lieben die piemontesischen Haselnüsse für ihren exzellenten Geschmack und Geruch, ihre Haltbarkeit und gute Schälbarkeit. Ähnlich wie Wein haben sie seit 1993 eine geografische Schutzmarke, die sogenannte Geschützte Geografische Angabe (Indicazione Geografica Protetta IGP). Die Piemonteser finden ihre Haselnüsse seien die besten der Welt und ich als Fan von Haselnussschokocreme finde das irgendwie auch.

Haselnüsse als Verjüngungskur

Haselnüsse sind nicht nur beste Nervennahrung, sondern bieten mit ihrem hohen Anteil an Vitamin E einen Schutz gegen Zellalterung. Die in ihnen reichlich enthaltene Ölsäure, eine ungesättigte Fettsäure, sorgt für eine Balance des Cholesterins im Körper. Es spricht alles für einen Haselnusssnack. Wer weitere Anregungen benötigt, probiere einfach folgendes Rezept:

Weiblicher Blütenstand der Haselnuss

Weiblicher Blütenstand der Haselnuss

Nusstorte

Zutaten: 200 g Haselnüsse aus dem Piemont IGP, 200 g Zucker, 2 frische Eier, 35 g Butter

Zubereitung: Butter (Zimmertemperatur) mit dem Zucker verkneten. Eigelbe einarbeiten. Haselnüsse fein hacken. Eiweiße schaumig schlagen. Die Mischung in eine Kuchenform geben und bei 180° Grad circa 40 Minuten backen. Varianten: Mehl, Kakao oder Hefe hinzugeben.

 

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