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Kulinarisch Norditalien Piemont

Langhe-Roero und Monferrat – Königreiche des Weins

Schon als Rom noch ein Hüttendorf auf einem Hügel war und das Piemont der Ort, an dem sich etruskische und keltische Stämme begegneten, wurde dort Wein angebaut. Das zeigen Spuren der etruskischen und keltischen Sprache im lokalen piemontesischen Dialekt. Später nennt Plinius der Ältere das Piemont eine der besten Weinregionen im Imperium. Die Nebbioloweinrebe, eine der besten Rebsorten Italiens, hat ihren Ursprung hier.

Zwischen Po und ligurischem Apennin, im Süden der italienischen Region Piemont liegen die Hügellandschaften Langhe, Roero und Monferrat. Sie stehen emblematisch für die Tradition des Weinbaus und der Weinkelterei, seit vielen Jahrhunderten. Weinpollen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus belegt, dass im Piemont bereits in der Antike Weinbau angebaut wurde. Während des Römischen Reiches mehrte sich der Ruhm dieser Weine im gesamten Gebiet bis hin zu Spuren in den Schriften Plinius des Älteren und Strabos.

Nebbioloreben in Südlage

Warum Langhe-Roero und Monferrat einen Besuch lohnen

Und heute? Langhe, Roero und Monferrat sind exemplarische Weinbauregionen, die sich stetig weiterentwickeln. Vom Weinbau, der Kultivierung, Verarbeitung bis hin zur Vermarktung der Weine, dem Fortschreiben der Tradition und der Vermarktung der Region findet alles in der Region statt. Sie sind ein einzigartiges Laboratorium des Weinbaus, wofür sie im Jahr 2014 zum UNESCO-Kulturerbe geadelt wurden.

Blick von La Morra auf die Hügel der Langhe

Einen Besuch lohnen Langhe-Roero oder Montferrat nicht nur zum Schlemmen und Einkaufen, sondern um zu erleben, wie der Weinbau eine Landschaft formt. Oder andersherum, wie eine für den Weinbau perfekt geeignete Landschaft beschaffen ist. Hinzu kommen Geschichten um die Rebsorten, Winzer, Weingüter im Wechselspiel von Tradition und Neuerfindung. Denn die Natur, der Boden dulden keinen Stillstand.

Der Wein selbst ist integraler Teil der mediterranen Küche und Lebenskultur. Er begleitet die Gerichte eines Menüs, komplettiert das Geschmackserleben. Auch wenn das Wasser und der Wein schon lange die Rollen getauscht haben, ist der Wein von der italienischen Tafel nicht wegzudenken und begleitet deren Geselligkeit. Am Esstisch spielt sich der Großteil des Lebens der Familie ab. Die Nahrung nährt Körper, Familien- und Freundschaftsbande. Antonino Cannavacciuolo (Chef, Villa Crespi, Ortasee), einer der charismatischsten Köche Italiens beschreibt die Rolle des Weins so:

Lo considero piuttosto il fedele compagno di viaggio in un’esperienza del gusto, un amico che non ti anticipa, ti segue.

Ich halte ihn für einen treuen Begleiter auf einer Erfahrungsreise des Geschmacks, für einen Freund, der dir nicht vorangeht, sondern dir folgt.

Diven & Autochthone – Einige Reben & Weine in Langhe, Roero & Montferrat

Die Langhe, das Hügelland um die Städte Alba und Asti ist die Heimat der Rebsorte Nebbiolo, aus der die Rotweine Barolo, Barbaresco und Nebbiolo gekeltert werden. Vermutlich bezog sich der lateinische Schriftsteller Lucio Columella im 1. Jh. n. Chr. auf die Nebbiolorebe, als er eine in Norditalien wachsende Traube beschrieb, aus der man einen Wein mit einem gewissen Pechgeschmack herstelle. Die Trauben dieser Reben reifen spät heran, oft mit dem ersten Nebel ital. nebbia auf den Hängen. Oder der Name stammt vom weißlichen Belag, den die Trauben bei Reife bilden. Einen sicheren Hinweis auf die Existenz der Rebsorte Nebbiolo findet sich 1303 in einem Mietvertrag im Roero-Gebiet.

Nebbioloreben mit Trauben

Was macht die piemontesischen Hügellandschaften besonders? Die Rebe Nebbiolo ist wie eine Diva: höchst expressiv und Geduld abverlangend. Aus ihr gehen ausdrucksstarke Weine hervor, die lange reifen müssen. Hinzu kommt ihr hoher Anspruch an Lage und Bodenqualität. Es müssen schon kalkhaltige Mergelböden (Boden mit Sedimentgestein) in steiler Süd- oder Südwestlage sein. All diese Bedingungen kommen in Langhe, Roero und Montferrat perfekt zusammen. Bisher wurden außerhalb der Ursprungsregionen im Piemont kaum Weine ähnlich hoher Qualität hergestellt. Aber schauen wir genauer hin – hier eine Übersicht: Weine des Piemont für Eilige!

Barolo, Wein aus Nebbiolotrauben

Barolo, „Wein der Könige“ oder „König der Weine“ wird er genannt. Nachdem auf Initiative der Marquise von Barolo Giulia Falletti begonnen wurde, aus Nebbiolotrauben einen trockenen Wein nach dem Vorbild des Bordeaux herzustellen, war der Barolo geboren. Die Savoyer wurde seine Fans und erwarben auch selbst Weingüter in der Region und verhalfen dem Barolo zu Bekanntheit in adeligen Kreisen. Heute sind die Kriterien zur Herstellung als DOGC-Wein (Denominazione d’Origine controllata e garantita) streng geregelt: maximal 80 Doppelzentner pro Hektar Trauben ernten, mindestens zweijährige Lagerung in Eichen- oder Kastanienholzfässern, Alkoholanteil mindestens 13 %. Etwas verzärtelt gedeihen die Reben am besten: keine extreme Feuchtigkeit, kein starker Wind. Es sind elf Gemeinden südöstlich von Alba, die Nebbiolotrauben für die Produktion von Barolo anbauen.

Barbaresco, Wein aus Nebbiolotrauben

Offizielles Geburtsjahr dieses Weines ist 1894, gleiche Trauben wie bei Barolo, aber angebaut nordöstlich von Alba, auf Hängen, die alle etwa fünfhundert Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die Anforderungen an den DOGC-Wein sind ähnlich wie bei Barolo (mind. 12,5 % Alkohol), der Unterschied sind Anbaugemeinden und Entstehungsgeschichte.

Barbera, Rebsorte

Eine Rebsorte, die seit Ende des 18. Jahrhunderts in den Langhe angebaut wird, aber schon im 16. Jahrhundert finden sich Spuren des Barbera in den Unterlagen der Region. Typisch für diesen Wein ist seine Vielseitigkeit: Geschmack und Duft ändern sich Klima und Boden entsprechend. Während Barberaweine links vom Fluss Tanaro – das Gebiet wird Roero genannt! – fein und sofort trinkfertig ist, muss er rechts davon, ähnlich Barolo und Barbaresco, länger gelagert werden.

Dolcetto, Rebsorte

Der Dolcetto ist wohl um 1000 im Piemont, im Monferrat entstanden, d. h. autochthone Rebsorte und gilt als typischste Weinrebe des Piemont. Die ersten Erwähnungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Aufgrund des niedrigen Säuregehaltes sind Dolcetto-Weine leicht bekömmlich. Schon im auf die Weinlese folgenden Frühling ist der Dolcetto trinkfertig. Die sieben verschiedenen DOC-Weine unterscheiden sich etwas, allen gemeinsam ist ein an Sauerkirsche erinnernder Duft und ein leicht säuerlicher Geschmack.

Arneis, Rebsorte

Die Rebsorte Arneis stammt aus dem Monferrat, dem tiefer und südlicher gelegenen Hügelland oder aus dem Roero, dem westlich des Flusses Tanaro gelegenen Gebiet der Langhe. Die ersten Spuren in Aufzeichnungen finden sich im 15. Jahrhundert. Die Qualität dieses Weißweines wurde erst kürzlich entdeckt. Auf sandigen Böden angebaut ergibt die Rebe einen strohgelben Wein mit intensivem Duft exotischer Früchte. (Und mein Geheimtipp 😉 )

Blick auf Serralunga d'Alba

Unterwegs in Langhe, Roero, Monferrat

Einen Besuch auf einem Weingut mit Besichtigung der Weinkeller ist Pflicht. Am besten noch eines, mit einer tollen Geschichte und einem exzellenten Restaurant wie Fontanafredda in Serralunga d’Alba. Darüber hinaus gibt es viele weitere Aktivitäten. Wer sportlich unterwegs ist, radelt durch die Hügel. So kann man die Perfektion der Landschaft am besten in sich aufnehmen. Oder im Ballonflug über den Hügeln schweben? Ob Weinmuseum, Schloss, Kirchen oder ein Spaziergang durch das unterirdische Alba, zu entdecken gibt es Vieles. Und jedes Jahr im Herbst lockt der Duft der Trüffel und die Trüffelmesse in Alba. Dort wo kein Weinland ist, wächst was anderes, so wie Haselnüsse. Daraus machen die einfallsreichen Piemontesen allerhand Leckeres, aber das ist eine andere Geschichte.

Linktipps und Ressourcen

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