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Aostatal Natur

Gressoney: Von königlichem Vergnügen, viel Schnee, Titsch und einem Torhüter-Hund

Ein Wochenende in Gressoney im Aosta-Tal – das bedeutet feinste Hochgebirgslandschaft, einen seltenen Dialekt und den Beweis, warum Pisten manchmal geschlossen bleiben müssen. Dazu erwarten uns Schnee ohne Ende, neben Abfahrtski auch Langlauf und ein Schneeschuhspaziergang. Gressoney liegt im Lystal, benannt nach dem Fluss Lys, seinen Abschluss im Norden bilden die Gipfel Castor (4221 m) und Liskamm (4527 m). Im Lystal hat sich eine Menge Schnee angehäuft. Zum Teil gelangten die Lawinen bis zur Straße – Lawinenspuren sehen wir einige! Die örtliche Polizei steht zur Beobachtung an der Straße – jederzeit kann sich eine Lawine am Hang lösen, dann muss diese eventuell schnell geräumt werden.

Lystal Valle d'AostaAlpenzu – Walserort

Für Skitouren ist das Lystal nur bedingt geeignet, denn die Hänge sind sehr steil. Wir entscheiden uns für eine gemütliche Schneeschuhwanderung den Hang hinauf in das Walserdorf Alpenzu. Das Tal, auch Gressoney-Tal genannt, wurde im 13. Jahrhundert von den Walsern (aus dem Wallis in der Schweiz) besiedelt. Der Bischof von Sion, der im Ayas-Tal Land besaß, hatte dieses dieses der Bevölkerung in Zermatt zur Bewirtschaftung angeboten. Allerdings war das fruchtbare Land schon besiedelt, nur die Moorlandschaft im Hochtal von Gressoney war noch frei. Dies besiedelten die Walser mit Unterstützung der Eigentümer und machten es urbar. Sie entfernten die Steine von den Parzellen, um Äcker anzulegen und verwendeten diese für den Hausbau und die Errichtung von Mauern zur Terrassierung der Hänge. In den komplett aus Holz errichteten Stadel wurde Getreide und Heu gelagert. Die Wohnhäuser, erbaut an den unfruchtbaren und lawinensicheren Stellen, bestanden aus dem Erdgeschoss aus Stein für Ställe und Wohnräume und dem Stadel aus Lärchenstämmen darüber, der als Heuboden genutzt wurde.

Stadel in Alpenzu im Lystal

Stadel in Alpenzu im Lystal

Königliche Passion – Wintersport in Gressoney

Die italienische Königin Margherita von Savoyen verbrachte ihre Sommer in Gressoney, sie ging selbst gern in die Berge und liebte dieses Tal. Ihre Passion für diesen Ort, die Landschaft und das Bergsteigen legte den Grundstein für Gressoney als touristischer Wintersportort.

Bergsteigen als königliche Passion - Margherita, Königin von Italien

Bergsteigen als königliche Passion – Margherita, Königin von Italien

Gressoney bietet sechs Rundloipen für Skilanglauf mit 23 km Länge, vorbei an Walserstadeln und dem Schloss der Königin Margherita. In Stafal am Talende, vier Kilometer von Gressoney-la-Tinité, beginnt das Monte-Rosa-Skigebiet, ein Verbund über die drei Täler Ayastal, Gressoneytal und Valsesia mit 86 Liften, 79 Pisten und 180 Pistenkilometern.

Trotzdem hat Gressoney seinen Charme behalten. Hotelburgen gibt es nicht. Es geht gemütlich zu und das Skifahren gehört einfach dazu, ob Langlauf (sci nordico, sci di fondo) oder alpin. Nach dem Sport? Unbedingt eine heiße Schokolade oder ein Schokoladenfondue im Café Lyskamm. Und danach? Vielleicht eine Runde Fußball mit dem Torhüterhund.

Torhüterhund - Der Hütehund hält

Torhüterhund – Der Hütehund hält

Spiel und Pose wie ein Profi

Spiel und Pose wie ein Profi

Vom Lang(sam)lauf

Ich fahre Ski – Langlauf klassisch – es ist eben ein gemütliches Wochenende. Von den 23 km der sechs Rundloipen ist gefühlt eine offen. Ich arbeite an meiner Technik, des klassischen, wechselseitigen, schwungvollen Abstoßens, aber der tauende Schnee hält mich fest wie eine Klebemasse. Zudem fühle ich mich auf den zarten Ski eher hilflos, vermisse die Bremsmöglichkeit. Doch mit jeder Runde bemerke ich Fortschritte beim Bewältigen der abschüssigen Stellen. Leb wohl Schneepflug (geht doch)! Erst als ich keinen Fortschritt mehr herauskitzeln kann, falle ich in einen (natürlich zahlungspflichtigen) Liegestuhl in der Sonne. Keiner scheint mehr Ski zu laufen, zu verführerisch sind die warmen Strahlen der Frühlingssonne. Mein Fazit: Wer auf Adrenalinschübe verzichten kann, sich geruhsam der Landschaft und dem eigenen Rhythmus hingeben will und hundert Jahre alt werden will, widme sich dem Langlauf!

Bei der Rückgabe der Ski komme ich mit einem Walser ins Gespräch. Er sagt, mit den Schweizer Bergführern, die vom Wallis herüberkämen, könne er sich problemlos mit Titsch, seinem Dialekt verständigen. Kein Wunder, beides sind alemannische Dialekte. Ich wiederum würde wohl fast nichts verstehen. Dann plötzlich alarmiert uns ein Donnergeräusch und wir stürzen hinaus: Direkt über der Piste rauscht eine Lawine hinab. Die Menschen laufen bewegt zusammen und starren auf den Hang und seine sich bewegenden Massen. Als die Lawine zum Stillstand kommt, erfüllt der Geruch von frischem Nadelholz und Nadelölen den Platz. „Die Leute sollten sich bei dir bedanken!“ hören wir neben uns. Die Sperrung der Pisten hatte einige Besucher verärgert. Der Pistenmanager verzieht keine Miene. Er scheint die Lawine erwartet zu haben.

Nicht verpassen

  • Café Lyskamm für Schokolade mit Sahne oder Schokoladenfondue

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