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Fontanafredda – Visionen und Leidenschaft im romantischsten Weingut Italiens

Nebbiolo-Reben Fontanafredda

Nebbiolo-Reben Fontanafredda

Ein natürliches Amphitheater ausgerichtet nach Süden und Südwesten liegt inmitten sanft rollender Hügel in Bassa Langa, Piemont. Willkommen in Fontanafredda, im Barololand. Als sich die Sonne am nächsten Morgen durch den Dunst gekämpft hat, laufe ich aufgeregt die Hügel hinauf. Ich bestaune Ausblick und Perfektion, versenke meine Schuhe in den kostbaren Mergel und nasche Nebbiolotrauben (sauer, dicke Schale, viele Kerne) – viel besser für Wein geeignet! Die Blätter an den Rebstöcken leuchten gelb in der Sonne. Jetzt hat sie mich gepackt, die Faszination für diesen Ort. Fontanafredda ist eine Bühne für die Leidenschaft seiner Eigentümer einst und jetzt. Auf der Höhe der obersten Rebenreihen angekommen überblicke ich das Innere der Arena und kann hinüber zur Burg von Serralunga d’Alba sehen. Dieser Ort hat eine unfassbare Perfektion. Diese benötigte eine an Perfektion und Größe adäquate Leidenschaft. Emanuele Guerrieri, Sohn von Vittorio Emanuele II. und Rosa Vercellana, genannt Bela Rusìn, besaß diese und dazu Offenheit für neues und unternehmerisches Geschick, alles Nötige, um aus einem sehr guten einen überragenden Wein und ein bedeutendes Unternehmen zu machen.

Fontanafredda, Blick auf die Arena

Fontanafredda, Blick auf die Arena

Blick auf Serralunga d'Alba

Blick auf Serralunga d’Alba

Fontanafredda in der Bassa Langa, Piemont

Hügelketten bis zum Horizont, Burgdörfer auf deren Kuppen gestreut – fertig sind die Langhe! Endlose Reihen mit Weinreben und Haselnussbäumen – Willkommen im Magen und Herzen des Piemont! Mit Langhe, genauer gesagt den Langhe (Plural) sind drei Gebiete gemeint: Bassa Langa, Alta Langa und Langa Astigiana. Im Bassa Langa, der niedrigen Langa nordwestlich des Flusses Belbo werden die weltberühmten Weine Barolo, Barbaresco und Barbera angebaut. In der Alta Langa südöstlich des Belbo wachsen auf den höheren Hügeln vor allem Haselnüsse. In der Langa Astigiana mit der Stadt Alba dreht sich alles um die Trüffel, zumindest im Herbst!

Fontanafredda, Bassa Langa

Fontanafredda, Bassa Langa

Langhe – Heimat der Nebbiolo-Rebe

Die Langhe besitzen Böden aus Mergel, kalk- und lehmhaltige Böden, auf denen an den Süd- und Südwestlagen der Hügel zwischen 200 und 400 Meter über dem Meer die italienische Rebsorte Nebbiolo wächst. Die anspruchsvolle Rebe stammt aus dem Piemont und wird dort seit der Antike angebaut. Sie wurde schon im 13. Jahrhundert in Schriften erwähnt. Die bekanntesten Nebbioloweine sind Barolo, Barbaresco, Roero und Nebbiolo d’Alba. Diese Weine sind tanninreich und ausdrucksstark. Sie reifen für mindestens zwei Jahre und behalten lange ihre Qualität.

Hufeisen im Mergel

Hufeisen im Mergel

Nebbioloreben, Fontanafredda

Nebbioloreben, Fontanafredda

Nebbiolotrauben

Nebbiolotrauben

Fontanafredda – Weingut von Vittorio Emanuele II. und Rosa Vercellana

Im Jahre 1858 erwarb Vittorio Emanuele II., König von Piemont und Sardinien und 1861 erster König Italiens, das Weingut Fontanafredda in Serralunga d’Alba. Er schenkte es seiner zweiten Frau, Rosa Vercellana, genannt Bela Rusìn. Rosa war eine Bauerntochter, die einst seine Geliebte gewesen war und die er nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete und der er den Titel Contessa Rosa di Mirafiore verlieh.

Seinen Erfolg als Weingut und das Wachstum zu einem der größten Produzenten der Region verdankt Fontanafredda Emanuele Guerrieri Conte di Mirafiore, dem Sohn von Vittorio Emanuele und Rosa di Mirafiore, der es seit 1878 bewirtschaftete. Mit seiner Leidenschaft für die moderne Winzerei und seinem unternehmerischen Geschick machte Emanuele Guerrieri das Weingut Fontanafredda zu einem bedeutenden Barolo-Produzenten.

Emanuele Guerrieri, Conte di Mirafiore

Emanuele Guerrieri, Conte di Mirafiore

Heute ist das alte königliche Weingut Fontanafredda nicht nur einer der größten Produzenten von Barolo in der Region, sondern Tagungszentrum, Sitz der Stiftung E. di Mirafiore und des Sterne-Restaurants Guidoristorante.

Fondazione E. di Mirafiore: neue Eigentümer mit Visionen

Die aktuellen Visionen der neuen Eigentümer, die das Weingut Fontanafredda 2008 von der Bank Monte die Paschi di Siena erwarben, kommen ebenfalls in den Zielen der Stiftung E. Mirafiore, benannt nach Emanuele Guerrieri, Conte di Mirafiore, zum Ausdruck. Laboratorio di Resistenza permanente, je nach Kontext mit ‚Ausdauer‘, ‚Widerstandsfähigkeit‘ oder ‚Widerstand‘ übersetzbar. Ein passendes Wortspiel, weil es die Ansprüche an Landwirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen umschreibt. Miteigentümer ist Oscar Farinetti, Gründer der von Slow Food gesponserten Lebensmittelkette Eataly mit Fokus auf Produkten aus ökologischem Anbau.

„Fare agricultura BUONA è una delle più alte forme di RISPETTO.“ Fondazione E. Mirafiore

Vino libero ist die Essenz dieses Strebens – ‚freier‘ oder ‚befreiter Wein‘ ist eine Initiative ausgehend von Fontanafredda, die Weine von den negativen Elementen frei halten will, die seine Qualität mindern. Ohne Unmengen Unkrautvernichter, chemische Dünger und übermäßige Zugabe von Sulfiten, überflüssige Verpackung und flüchtige Trends bleibt der Wein, was er schon ist, ein authentisches und hochwertiges Produkt.

Weinkeller Mirafiore-Weine

Weinkeller Mirafiore-Weine

Im Gebäude der Fondazione E. di Mirafiore finden Buchpräsentationen, Theateraufführungen, Lesungen, Diskussionen statt, die im Livestreaming auf der Website verfügbar sind.

Fontanafredda ist ein romantischer, zutiefst inspirierender Ort. Er erreicht sein Strahlen und seine Perfektion durch die einzigartige Kombination aus landschaftlichem und natürlichem Reichtum, der Liebe, Visionen und dem Verständnis von guter Landwirtschaft als Respekt. Ich möchte im nächsten September zur Weinlese wieder in Fontanafredda sein!

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5 Comments

  • Reply
    Juliane
    2. Dezember 2013 at 16:40

    Einfach nur eine wunderschöne Landschaft. Ich bin wirklich beeindruckt. Werde diesen Blog mit Sicherheit weiterverfolgen. LG Juli

    • Reply
      Stefanie
      2. Dezember 2013 at 20:14

      Danke Juli, die Langhe sind wirklich beeindruckend. Meinen nächster Besuch ist schon fest eingeplant 🙂

  • Reply
    Christel
    16. Januar 2014 at 13:26

    mit großem Interesse habe ich den Bericht gelesen und kann nur bestätigen: es stimmt alles!! Wir haben selber ein Ferien-Haus bei Alba – ein typisches Langhe Rustico – und fahren so oft es nur geht in die Langhe. Wir genießen es sehr: Land, Leute, Wein und gutes Essen… zu jeder Jahreszeit 🙂

    • Reply
      Stefanie
      16. Januar 2014 at 15:14

      Lieben Dank für die Bestätigung Christel! Ich möchte auch auf jeden Fall mehr davon, von den Langhe. Ich war wirklich überrascht, dass Essen & Trinken diese Dimension haben können! 😉

  • Reply
    Langhe-Roero und Monferrat – Königreiche des Weins – Azzurro Diary – Italien in Nahaufnahme
    18. April 2016 at 00:06

    […] ist Pflicht. Am besten noch eines, mit einer tollen Geschichte und einem exzellenten Restaurant wie Fontanafredda in Serralunga d’Alba. Darüber hinaus gibt es viele weitere Aktivitäten. Wer sportlich unterwegs ist, radelt durch die […]

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